Nach dem Schock nicht alleine lassen

Die Mülheimer Polizei ist landesweiter Vorreiter bei der Begleitung von Kindern, die in einen Straßenverkehrsunfall verwickelt waren.

13 Kinder sind um ein Pferd versammelt. Eines von ihnen führt es sogar am Zügel. Die kleine Schar ist ziemlich geschafft, hat sie heute doch schon einiges erlebt. Mit einem Frühstück ging der Tag auf dem Baumerhof in Saarn los. Darauf folgte eine Stallrallye, bei der die Kinder herausfinden konnten, wie es auf einem richtigen Reiterhof so zugeht. "Das war heute der abenteuerliche Abschlusstag eines fünfmonatigen Programms", berichtet Polizeisprecher Thomas Weise. So lange wurden sie von der Polizei betreut, denn die Kinder verbindet alle das gleiche Schicksal: Sie hatten einen schweren Verkehrsunfall.

"Nach ein paar Wochen ist meistens die medizinische Behandlung vorbei und die Ärzte entlassen die Kinder als gesund", erläutert Weise. "Doch viele sind nach dem Unfall traumatisiert. Sie haben Albträume, Schuldgefühle oder trauen sich nicht mehr heraus", erzählt er weiter. Deswegen beschloss die Polizei, dass man die Kinder nach so einem Schock-Erlebnis nicht alleine lassen dürfe. Die Polizeistiftung David + Goliath hat ein Programm entwickelt, mit dessen Hilfe die betroffenen Mädchen und Jungen ihre Erlebnisse verarbeiten sollen, damit sie wieder ohne Angst am Straßenverkehr teilnehmen können. "Das Projekt ist auf fünf Monate angelegt. Die Kinder treffen sich nachmittags nach der Schule", berichtet Thomas Weise. Das wichtigste Ziel sei, dass die Kinder wieder ein natürliches Selbstbewusstein erlernten. "Denn selbstbewusste Kinder sind erfahrungsgemäß auch die besten Verkehrsteilnehmer", ist sich der Polizeisprecher sicher.

Neben der Beratung durch eine Kinderpsychologin stehen aber auch viele Spiel- und Spaß-Aktionen auf dem Programm, wie eben ein Besuch auf dem Reiterhof. Dass die Polizei mit diesem Projekt in die richtige Richtung zielt, zeigen die Zahlen: 58 Kinder verunglückten 2004 in Mülheim im Straßenverkehr, 2003 waren es sogar 79. Bleibt zu hoffen, dass auch andere Städte der Mülheimer Polizei nacheifern, zur Zeit ist die nämlich landesweite Vorreiterin. "Wir sind die ersten, die so ein Projekt in NRW durchgeführt haben", verkündet Thomas Weise stolz. Er hat allen Grund fröhlich zu sein, zog doch gerade eine Schar lachender Kinder mit einem Pferd im Schlepptau an ihm vorbei.