Eine stille, aber wirksame Hilfe

(WAZ vom 07.04.2006)

Die Polizeistiftung "David und Goliath" tut da Gutes, wo schnelle und unkonventionelle Unterstützung benötigt wird. Bei Unfällen oder Verbrechen, bei denen auch Kinder betroffen sind.

Manchmal sind es die leisen, ganz kleinen Zeichen, die große Wirkung haben. Unbemerkt von der Öffentlichkeit. Eben nicht nach dem Motto: Tue Gutes und rede darüber. Aktionen, die in aller Stille ablaufen, hat sich die Polizeistiftung "David und Goliath" auf die Fahnen geschrieben. Die Hilfe ist ganz praktisch und effektiv.

Zum Beispiel bei einer Familie, die von Hartz IV lebt. Sie hatte gerade 300 Euro für ihren Lebensunterhalt im März abgeholt. Die Mutter steckte das Geld in die Jackentasche, hing das Kleidungsstück an die Garderobe und ging dann mit ihrem 6-jährigen behinderten Sohn einkaufen. "Als sie wieder nach Hause kamen, war in die Wohnung eingebrochen worden, die 300 Euro waren weg", erzählt der Pressesprecher der Polizei, Thomas Weise, der vor drei Jahren die Idee zu der Stiftung hatte.

"Die Sozialagentur, bei der die Familie um Hilfe gebeten hatte, erklärte, sie könne das Geld nur zu 48 Prozent erstatten, dieses aber auch nur als Darlehn gewähren. Die Familie war völlig verzweifelt, weil sie nicht wusste, wie sie durch den Monat kommen sollte." Die Polizei hörte von der problematischen Lage der Familie und Thomas Weise wurde tätig. "Aus unserem Topf haben wir 300 Euro genommen und der Familie zukommen lassen. Zumal das Kind eine besondere Nahrung benötigt."

Ein anderer Fall, wo selbst die eher abgehärteten Polizisten noch eine Gänsehaut bekommen: Ein Ehepaar erstattete bei der Polizei Anzeige, weil ihr Wohnmobil geklaut worden war. Während die Beamten die Anzeige aufnahmen, brach die Frau plötzlich zusammen. Der Hintergrund: Das Ehepaar hatte ein leukämiekrankes Kind, das nur noch kurze Zeit zu leben hatte. Es hatte dem Kind versprochen, in vier Tagen eine letzte Urlaubsreise mit dem Wohnmobil zu machen. Völlig unkonventionell half die Stiftung. Weise: "Wir nahmen Kontakt zu einem Wohnmobilhändler auf und versprachen der Familie, dass sie in Urlaub fahren können."

Die Idee zu der Stiftung kam daher, dass die Polizisten viele Unfälle oder Verbrechen, bei denen auch Kinder betroffen sind, "mit nach Hause" nehmen. "Die schrecklichen Bilder kommen dann nachts wieder, man legt das nicht einfach ab. Vor allem dann nicht, wenn die Kollegen selbst Familienväter sind", erklärt Weise. Aus diesem Grund rief er die Stiftung ins Leben, die unkonventionell helfen kann.